Das Ende

Die Edelpilzfreunde müssen leider bekannt geben, dass das Unternehmen auf unbekannte Zeit eingestellt wird.

Eine einfache Begründung können wir nicht anbieten, da uns die Summe aller Probleme und die Berücksichtigung unserer persönlichen Situation zu dieser Entscheidung führte.

Was wir aber anbieten können, sind Einblicke in die kurze Geschichte dieses Unternehmens, die Erfahrungen, die Probleme und Hindernisse. Dabei lässt sich auch ein Ausblick andeuten, in welcher Form die Pilze unser Leben weiter begleiten werden und welches nächste Projekt uns vorschwebt.

Der Anfang

Die Edelpilzfreunde wurden gegründet, um mit einem nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Das sollte mit der Herstellung von hochwertigen Lebensmitteln aus Abfall erreicht werden. Als Vorlage diente das Blue Economy Geschäftsmodell "Pulp-to-Protein".

Das nötige Know-How kam aus dem Netzwerk der Blue Economy. Unter anderem von Chido Govera, der Gründerin der Future of Hope Foundation. Weitere Unterstützung kam von FungiTown in Amersforth und Rotterzwam in Rotterdam.

Da jedes Blue Economy Geschäftsmodell an die lokalen Gegebenheiten und an das Gründer-Team angepasst werden muss, sind viele aufkommenden Probleme individuell und kreativ zu lösen.

Die Probleme

Viele kleine und größere Probleme sind uns begegnet, was nicht unerwartet war. Es war auch kein einzelnes Problem, was zur Einstellung des Betriebs führte, sondern die Summe vieler Faktoren. Im Folgenden ein kleiner Einblick dazu.

Das Geschäftsmodell

  • Kaffee hat sich als suboptimales Substrat herausgestellt. Durch verschiedene Quellen schwankt die Qualität und eine optimale Mischung mit Kalk, Kaffeebohnenhäutchen und Stroh ist schwer zu definieren. Andere Substrate sind wesentlich leichter zu handhaben.
  • Um wirtschaftlich zu sein, muss die Effizienz der Pilzherstellung aus dem Substrat sehr hoch sein. Dafür benötigt man die richtigen Räumlichkeiten, um die sehr hohen Hygiene-Standards einhalten und die Arbeitsprozesse optimal gestalten zu können.
  • Die Produktion von Pilzen in einer künstlichen Umgebung in Stadtnähe (wegen der Kaffeesatz-Logistik) erfordert ein stark kontrolliertes System und viel manuelle zeitintensive Arbeit. Dadurch wird es aber fragil* und teuer.
  • Die Zucht von Pilzen allein ist risikoreich, da Totalausfälle sehr leicht und schnell passieren können.
  • Eine nachhaltige Produktion erfordert die Vermeidung bzw. den kleinstmöglichen Einsatz von chemischen Mitteln.

Das Team

  • Persönliche Risiko-Toleranz ist nicht hoch genug, um einen Kredit zu beantragen oder einen Investor mit an Bord zu holen, wenn die Produktion selbst im kleinen Maßstab nicht zuverlässig oder wirtschaftlich durchgeführt werden kann.
  • Der Stress durch die Summe der Probleme, durch die hohe Arbeitsbelastung und die finanzielle Belastung eines unwirtschaftlichen Betriebs in der Gründungsphase waren nicht mehr länger tragbar.

Die Natur

  • Ein stark kontrolliertes und komplexes biologisches System (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2, Vektoren für Kontamination, …) mit wenigen Arten (2 Pilzsorten) ist sehr fragil*.
  • Die Fehler-Korrektur-Zyklen sind relativ lang. Es dauert mehrere Wochen, bis ein Fehler sichtbar wird und korrigiert werden kann. Jede Korrektur bringt wieder neue Fehler bzw. Probleme mit sich und so geht der Zyklus weiter.

Lektionen – Was wir gelernt haben

Philosophisches

  • Auf das Herz hören und es versuchen. Reue wiegt schwerer als Fehlschlag oder Stillstand.

Über die Natur

  • Die Natur ist der Meister. Wir sind die Lehrlinge am ersten Arbeitstag.
  • Je mehr man versucht ein natürliches System zu kontrollieren, um es vorhersagbar und standardisiert zu machen, desto fragiler* wird das System. Natürliche Systeme benötigen Variabilität und Zufälligkeit um widerstandsfähig und robust zu sein.

Bemerkenswertes über Pilze

  • Pilze sind ein faszinierendes und völlig unterschätztes Reich.
  • Das Myzel durchwebt den Erdboden und bildet das Internet der Natur. Dieses natürliche Netzwerk ermöglicht die Kommunikation zwischen Pflanzen und überspannt riesige Flächen.
  • Pilze sind empfindsame Lebewesen. Sie brauchen viel Aufmerksamkeit und positive Energie, um richtig zu wachsen.

Ausblick – Wie es weitergeht

Zwar ist die Produktion von Edelpilzen auf Kaffeesatz in dieser Form keine Option mehr für uns, doch werden wir das Züchten, Pflanzen und Hegen nicht sein lassen. Wir werden einen Weg beschreiten zu naturnaheren Produktionsmethoden, zu mehr Vielfalt und zur Integration verschiedener Reiche und Arten.

Wir würden uns freuen, wenn Ihr bei unserem nächsten Projekt wieder mit dabei seid! Für mehr Infos per E-Mail, hinterlasst Eure E-Mail Adresse:

Ihre E-Mail-Adresse

Wir sagen ein großes DANKE an alle, die uns bei diesem Unternehmen unterstützt haben!

Beratung, Marke & Netzwerk

Wer sich für die Pilzzucht interessiert und sich vorstellen könnte weiterzuführen, was wir begonnen haben, der kann uns gerne kontaktieren.

Wir können weiterhelfen mit

  • Beratung & Erfahrungsaustausch,
  • Start-up Workshop mit Grundlagen der Pilzzucht,
  • Kontakten zu anderen Pilzzüchtern,
  • und der Marke "Edelpilzfreunde" mit dem passenden Design der Webseite, Flyer, Visitenkarten & Briefpapier.

Chronik

Juni 2012 – Die Blue Economy Summer School gibt den unternehmerischen Anstoß.

März 2014 – Gründung der Edelpilzfreunde Stuttgart GmbH und Entwicklung der Marke Edelpilzfreunde.

April 2014 – Treffen mit Chido Govera, Eva Michielin und Marc Plaisier von der Future of Hope Foundation um den Grundstein für die Kooperation zu legen.

Juli 2014 – Vorbereitung der Produktionsräume und Geschäftsausstattung.

August 2014 – Training in der Pilzzucht auf Kaffeesatz mit Chido Govera

September 2014 – Beginn der Produktion von Austernseitlingen auf Kaffeesatz von Maurer, Café Benz & Explorer Coffee in Winnenden, sowie Luckscheiter in Ludwigsburg

Oktober 2014 – Erste Pilzernte

Januar 2015 – Neue Pilzsorte: Limonenseitling

Februar 2015 – Optimierung des Pilzzuchtkellers

März 2015 – Bakterielle Infektion und kompletter Ausfall der Produktion

April 2015 – Einstellung der Produktion


Fußnoten

* Siehe Nassim Nicholas Talebs Buch "Antifragile"